
Foto: Fischastadt · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Quelle: Wikimedia Commons
Noch vor dem Flugfeld Aspern entstand in Fischamend, nur wenige Kilometer vom heutigen Flughafen Wien entfernt, mit dem k.u.k. Militär-Aeronautischen Institut die größte Luftfahrtforschungsanstalt der gesamten Donaumonarchie. Hier arbeiteten später so unterschiedliche Pioniere wie Ferdinand Porsche und Theodore von Kármán, hier ereignete sich 1914 auch die schwerste Flugkatastrophe der Habsburgermonarchie. Heute ist der Ort weitgehend vergessen, nur ein Wasserturm, eine denkmalgeschützte Werkstatthalle und frühere Kasernengebäude erinnern noch an seine Bedeutung.
Gründung 1909 und Aufbau der Luftfahrttruppe
Weil der bisherige Standort im Wiener Arsenal für die Ballonfahrer der Monarchie zu eng wurde, erwarb das Heer Grund in Fischamend und errichtete dort 1909 das Militär-Aeronautische Institut, mit Flugfeld, Luftschiffhalle, Gasanstalt und Wachgebäude. Erster Kommandant war Franz Hinterstoisser, nach dem bis heute der Fliegerhorst Zeltweg benannt ist. Das Institut testete und baute in Lizenz Luftschiffe der Typen Parseval und Lebaudy, entwickelte und erflog Flugzeuge wie die Etrich Taube und reparierte beschädigte Maschinen. Der Historiker Rudolf Ster bezeichnete es als „die größte Luftfahrtforschungsstätte der gesamten Donaumonarchie”.
Pioniere der Luftfahrttechnik
In Fischamend entwickelte Theodor Scheimpflug seine photogrammetrische Methode für Luftbildvermessungen, bereits vor dem Ersten Weltkrieg liefen dort Funkversuche, später kamen ein Windkanal und ein Propeller-Prüfstand hinzu. Während des Ersten Weltkriegs arbeitete auch der junge Ferdinand Porsche am Institut. Gemeinsam mit Stephan von Petróczy und Theodore von Kármán, dem späteren Luft- und Raumfahrtpionier, forschte man ab 1917 am letzten großen Projekt des Instituts: gefesselten Beobachtungshubschraubern, den Typen PKZ-1 und PKZ-2, die die bisherigen Beobachtungsballone ersetzen sollten und als Vorläufer des späteren Koaxialhubschrauberprinzips gelten.
Die Körting-Katastrophe vom 20. Juni 1914
Am 20. Juni 1914 ereignete sich über Fischamend die schwerste Flugkatastrophe der Donaumonarchie. Das Luftschiff „Körting”, das letzte Militärluftschiff des k.u.k. Heeres, war mit einer Besatzung von sieben Mann unter dem erfahrenen Luftschiffkommandanten Hauptmann Hans Hauswirth zu einer photogrammetrischen Vermessungsfahrt mit Scheimpflugs Kameraapparat aufgestiegen. Ein Doppeldecker des Flugpiloten Ernst Flatz, mit Fregattenleutnant Wolfgang Puchta als Passagier, umkreiste das Luftschiff mehrfach, aus bis heute ungeklärten Gründen, und kollidierte schließlich mit ihm. Beide Insassen des Doppeldeckers starben beim Absturz sofort, kurz darauf schlug eine Stichflamme aus der Luftschiffhülle, die brennend abstürzte und alle sieben Besatzungsmitglieder in den Tod riss.
Der damalige Thronfolger Erzherzog Karl Franz Joseph, der spätere Kaiser Karl I., besuchte noch am Unglückstag die Absturzstelle. Die Opfer wurden am 24. Juni 1914 am Wiener Zentralfriedhof mit militärischen Ehren beigesetzt, begleitet von einem Überflug von Aspern aus. Das Unglück bedeutete faktisch das Ende der Luftschiff-Ära im k.u.k. Heer, nur wenige Tage bevor mit dem Attentat von Sarajevo der Weg in den Ersten Weltkrieg begann.
Erster Weltkrieg, Ende und was bleibt
Mit Kriegsbeginn wuchs das Institut rasch auf rund 300 Offiziere und 5.000 Mann und Zivilbedienstete an. Nach dem Krieg mussten die Anlagen gemäß den Bestimmungen des Vertrags von Saint-Germain abgetragen oder entfernt werden. Im Zweiten Weltkrieg nutzte die Luftwaffe das Gelände als Ausweich- und Reservefeld sowie als Nebenstandort der Flugzeugwerke Wiener Neustadt, deren Hauptwerk 1944 durch alliierte Bombenangriffe zerstört wurde. Nach Kriegsende plünderte die Rote Armee die verbliebenen Reste der Anlage. Später entstanden auf weiten Teilen des Geländes Wohnhäuser. Vom einst größten Luftfahrtforschungsstandort der Monarchie erinnern heute nur noch ein Wasserturm, eine denkmalgeschützte Werkstatthalle, das frühere Offizierskasino, heute als Volksheim genutzt, sowie einige Straßennamen. 2009 erhielt das Feld anlässlich des 100-jährigen Jubiläums für zwei Tage eine provisorische 500 Meter lange Graspiste und den ICAO-Code LOWF, am 6. Juni 2009 landete dort mit einer Antonow An-2 erstmals seit über 60 Jahren wieder ein Flugzeug.
Weiterlesen: Flugfeld Aspern · Österreichische Luftfahrtgeschichte
Quellen (Auswahl)
- forgottenairfields.com: Airfield Fischamend
- militaeraktuell.at: The Fischamend Military Aeronautical Institute
- militaeraktuell.at: The Last Voyage of the Körting Tragedy over Fischamend
Teil der Rubrik Österreichische Luftfahrtgeschichte. Unabhängiges, privates Geschichtsprojekt ohne Verbindung zur Austrian Airlines AG oder zur Lufthansa Group.