LaudaMotion, später nur noch Lauda genannt, war Niki Laudas dritter Anlauf in der Luftfahrt und zugleich die Nachfolgerin der insolventen Niki. Binnen weniger Jahre übernahm Ryanair die Gesellschaft zur Gänze, bevor sie 2020 als eigenständige Marke verschwand.

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Von der Business-Jet-Charterfirma zur Nachfolgerin von Niki
Die Gesellschaft geht auf die 2004 vom Investor Ronny Pecik gegründete Amira Air zurück, die Charterflüge mit Business-Jets anbot. Niki Lauda, zunächst Minderheitseigentümer, übernahm das Unternehmen im Februar 2016 vollständig und benannte es in LaudaMotion um; bis Februar 2018 blieb der Charterbetrieb mit Business-Jets das Kerngeschäft. Als die insolvente Niki im Jänner 2018 einen neuen Eigentümer suchte, gab der Gläubigerausschuss am 23. Jänner 2018 LaudaMotion den Zuschlag: Die Marke Niki wurde eingestellt, rund 15 Flugzeuge gingen an LaudaMotion über, die am 25. März 2018 den Linienflugbetrieb aufnahm. Kurze Partnerschaften mit Condor, die ab 16. Februar 2018 Vertrieb und Teile des Betriebs für drei Flugzeuge übernahm, und mit Eurowings, die bis 31. Mai 2018 im Wetlease aushalf, endeten rasch wieder.
Ryanair steigt ein und übernimmt zur Gänze
Am 20. März 2018 kündigte Ryanair an, 24,9 Prozent der Anteile zu übernehmen, mit der Option auf eine spätere Aufstockung auf 75 Prozent; die EU genehmigte den Einstieg, der im August 2018 wirksam wurde und mit dem die Flotte von 9 auf 18 Flugzeuge verdoppelt werden sollte. Ende Dezember 2018 kaufte Ryanair schließlich 100 Prozent der Anteile von der NL Holdings, was im Jänner 2019 bekanntgegeben wurde, zusammen mit Wachstumsplänen auf 25 Flugzeuge bis Ende 2019 und 40 bis zum Sommer 2020. Im März 2019 wurde der Name auf schlicht Lauda verkürzt.
Rückbau zur Wetlease-Gesellschaft und das Ende
Die Corona-Pandemie beendete die eigenständigen Ambitionen rasch: Im Juni 2020 stornierte Ryanair alle verbliebenen Airbus-Bestellungen für Lauda, und seit Juni 2020 wurden sämtliche Flüge nur noch im Wetlease unter Ryanair-Flugnummern durchgeführt, mit Ausnahme der Flüge nach Tel Aviv, die wegen bestehender Streckenrechte vorerst unter der Marke Lauda blieben. Die Basis Wien, deren Schließung für 29. Mai 2020 angekündigt worden war, blieb unter Ryanair-Code zunächst bestehen, während die deutschen Basen Stuttgart (bis Oktober 2020) und Düsseldorf (24. Oktober 2020) geschlossen wurden. Ende Juli 2020 wurde bekannt, dass die LaudaMotion GmbH mit Jahresende 2020 den Betrieb einstellen und die Flotte an die neu gegründete, auf Malta ansässige Lauda Europe übergehen würde. Am 31. Oktober 2020 stellte Lauda den Flugbetrieb endgültig ein.
Steuerstreit, Gewerkschaftskonflikt und das österreichische AOC
Lauda betrieb seinen Flugbetrieb zuletzt unter einem österreichischen Luftverkehrsbetreiberzeugnis (AOC), was nach damaligem österreichischem Steuerrecht bedeutete, dass sämtliches Kabinen- und Cockpitpersonal unabhängig vom tatsächlichen Stationierungsort in Österreich steuerpflichtig blieb, selbst wenn es etwa in Düsseldorf oder auf Mallorca stationiert war. Im Mai 2020 eskalierte zudem ein Lohnstreit mit der Gewerkschaft vida; Ryanair drohte Ende Mai 2020 damit, den Standort Wien ganz aufzugeben, bevor Anfang Juni 2020 eine vorläufige Einigung erzielt wurde. Ende Juli 2020 teilte Ryanair dennoch mit, die LaudaMotion GmbH samt ihrem österreichischen AOC bis Jahresende aufzugeben und den Flugbetrieb in die neu gegründete, auf Malta ansässige Lauda Europe zu überführen, die ein eigenes maltesisches AOC für die Airbus-A320-Flotte beantragte, das zweite maltesische AOC im Ryanair-Konzern nach der bereits 2019 für die Boeing-737-Flotte gegründeten Malta Air. Als Begründung nannten Lauda-Direktoren wie Andreas Gruber und David O’Brien sowie Ryanair selbst das österreichische Steuerrecht, das eine flexible, europaweite Tätigkeit als Wetlease-Anbieter mit lokal angestelltem Personal erschwere, und kritisierten zugleich, dass im Ausland stationierte Crews zwar weiterhin in Österreich besteuert, von österreichischen Corona-Kurzarbeitshilfen aber ausgeschlossen blieben. Beschäftigte, die den zuletzt verhandelten Kollektivvertrag akzeptierten, erhielten ein Angebot für eine Anstellung bei Lauda Europe, mit dem deutsches beziehungsweise spanisches Kabinenpersonal künftig in seinem jeweiligen Wohnsitzland Steuer zahlen konnte; der Sitz der Gesellschaft verlagerte sich nach Malta, während in Wien nur eine kleine Zweigstelle bestehen blieb. Lauda Europe sollte, vorbehaltlich der Zulassung, ab November 2020 als Wetlease-Kapazitätsanbieter für die gesamte Ryanair-Gruppe starten und die 28 Airbus A320 übernehmen, die LaudaMotion zuletzt betrieben hatte.
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Quellen (Auswahl)
- Wikipedia: Lauda (airline)
- derStandard.at: Ryanair übernimmt Laudamotion zur Gänze
- aerotelegraph.com: Ryanair has cancelled Lauda’s jet orders
- aerotelegraph.com: Lauda is relocating from Vienna to Malta
- ch-aviation.com: Austria’s Lauda to close, be replaced with new Maltese unit
Teil der Rubrik Österreichische Luftfahrtgeschichte. Unabhängiges, privates Geschichtsprojekt ohne Verbindung zur Austrian Airlines AG oder zur Lufthansa Group.