ÖLAG: Die erste Fluggesellschaft Österreichs (1923–1939)

Mehr als dreißig Jahre vor Tyrolean Airways und bevor Austrian Airlines 1957/58 gegründet wurde, gab es bereits eine österreichische Fluggesellschaft: die Österreichische Luftverkehrs AG (ÖLAG), gegründet 1923. Sie wuchs binnen eines Jahrzehnts zur viertgrößten Airline Europas heran, bevor der „Anschluss” Österreichs an das Deutsche Reich 1938 ihr jähes Ende einleitete.

Eine erhaltene Junkers F 13, wie sie die OELAG einsetzte
Eine erhaltene Junkers F 13, der Flugzeugtyp, mit dem die ÖLAG 1923 ihren Betrieb aufnahm (Aufnahme einer erhaltenen Maschine, Budapest 2015).
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Gründung und erster Flug 1923

Die Österreichische Luftverkehrs AG (ÖLAG) wurde am 4. Mai 1923 als erste Fluggesellschaft Österreichs gegründet. Sie trat sofort der Trans-Europa-Union bei, einem Zusammenschluss mehrerer Fluglinien, darunter die Schweizer Ad Astra Aero, die deutsche Rumpler Luftverkehr und die ungarische Aeroexpress, zur gemeinsamen Vermarktung europäischer Flugverbindungen. Die Junkers-Werke hielten 49 Prozent der Anteile. Bereits zehn Tage nach der Gründung, am 14. Mai 1923, absolvierte eine Junkers F 13 den ersten Flug: Nach rund 1 Stunde 45 Minuten Flugzeit landete die viersitzige Maschine aus München nicht am Flugfeld Aspern, sondern auf einer sumpfigen Wiese am Donauufer in Jedlesee, heute Wiens 21. Bezirk, weil das Flugzeug dort für den Weiterflug nach Budapest auf Schwimmer umgerüstet werden konnte. Im Gründungsjahr 1923 bediente die ÖLAG mit zwei Junkers F 13 nur die beiden Strecken Wien–München und Wien–Budapest, bei 232 Flügen mit insgesamt 539 Passagieren.

Wachstum zur viertgrößten Fluggesellschaft Europas

1926 löste sich die Trans-Europa-Union auf; die Luft Hansa, die ÖLAG und weitere Airlines einigten sich stattdessen auf eine gemeinsame Streckenplanung. Das Netz wuchs um reguläre Verbindungen nach Berlin, Budapest und Mailand. 1932 beteiligte sich die Deutsche Luft Hansa an der ÖLAG, indem sie den Anteil der Junkers-Werke übernahm. Bis zum zehnjährigen Bestehen im Mai 1933 hatte die Gesellschaft 19.363 Flüge absolviert, rund 485.000 Passagiere sowie etwa 490 Tonnen Gepäck und 400 Tonnen Fracht befördert. Gemessen an den angebotenen Sitzkilometern lag die ÖLAG damit auf Platz vier in Europa, hinter der Luft Hansa, der KLM und der Air France.

Das Ende im Zuge des „Anschlusses” 1938

Mit dem „Anschluss” Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 endete die Eigenständigkeit der ÖLAG. Am 17. Dezember 1938 übernahm die Deutsche Lufthansa den bisherigen 51-prozentigen Anteil der Republik Österreich. Mit 31. Dezember 1938 stellte die ÖLAG nach nicht ganz 15 Jahren ihren Betrieb endgültig ein, ihre Strecken und Infrastruktur gingen in der Lufthansa auf. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg, mit der Gründung von Austrian Airlines 1957/58, erhielt Österreich wieder eine eigene nationale Fluggesellschaft.

Weiterlesen: Austrian Airlines · Österreichische Luftfahrtgeschichte


Quellen (Auswahl)

Teil der Rubrik Österreichische Luftfahrtgeschichte. Unabhängiges, privates Geschichtsprojekt ohne Verbindung zur Austrian Airlines AG oder zur Lufthansa Group.